Das Geschäft mit den falschen Pillen.

gefunden im Magazin der BARMER GeK 3/13

Vor allem durch das Internet wird der illegale Handel mit gefälschten Arzneimittel extrem angfacht. – Es ist mittlerweile lukrativer als der Rauschgifthandel –

Wie können Verbraucher sich davor schützen?

Die Fälle häufen sich: Noch im Mai dieses Jahres (2013) entdeckte der französische Zoll 1,2 Millionen Dosen mit gefälschtem Aspirin, das in einer Schiffsladung aus China versteckt war. 2008 kommt ein junges Mädchen aus Hannover ums Leben, weil es illegale Schlankheitsmittel aus dem Internet eingenommen hatte; 2001 stirbt in der USA der 18-jährige Ryan Haight an einer ebenfalls im Netz bestellten Überdosis Betäubungsmittel. Nach ihm wird 2008 sogar ein Gesetz zur verschärften Kontrolle des Internethandels benannt.

Es sind nicht nur die sogenannten Lifestyle-Produkte wie fragwürdige Haarwuchs- oder Abnehmmittel, auf die es die Fälscher abgesehen haben. Längst schrecken sie nicht mehr davon zurück, auch lebenswichtige Medikamente gegen schwere Erkrankungen wie Malaria, Aids oder Krebs zu fälschen. Vor allem in Afrika, in Teilen Asiens und Lateinamerikas werden dort lebenden Menschen massenweise Opfer von gepanschten Medikamenten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Fälschungsquote in diesen Ländern auf bis zu 50 Prozent.

Der Schwarzmarkt blüht

Das Geschäft mit den falschen Pillen lohnt sich: Allein in Deutschland wurden 2012 von Zoll- und Kriminalamt zehnmal mehr gefälschte Medikamente als noch vor fünf Jahren sichergestellt. Insgesamt beschlagnahmten die Fahnder rund 321.000 Arzneimittel im Wert von 4,8 Millionen Euro. Das Dealen mit Plagiaten ist auf dem Schwarzmarkt sogar lukrativer als der Handel mit Rauschgift. So kostet in Hehlerkreisen zum Beispiel ein Kilo gefälschtes Viagra 90.000 €, während die gleiche Menge Heorin schon für 65.000 € zu haben ist.

Riskantes Spiel mit tödlichen Folgen

Dabei ist Fälschung ist nicht gleich Fälschung: Gepanschte Medikamente können gar keinen Wirkstoff, zu hohe oder zu niedrige Dosierung sowie andere Wirkstoffe enthalten, als auf der Verpackung angegeben sind. Oder aber es werden Wirkungen vorgegaukelt, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren. Beispiele hierfür finden sich im Internet zuhauf unter den sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln, die neben körperlichen Fitness, erfolgreicher Gewichtsreduktion sogar Heilung von Krebs versprechen. Außerdem ist es möglich, dass die Plagatie durch unsachgemäße Herstellung verunreinigt sind, oder die falschen pillen enthalten gefährliche Hilfs- beziehungsweise Zusatzstoffe. Orginalprodukte können außerdem im Laufe des Produktionsprozesses in betrügerischer Absicht entwendet und quasi unter anderer Flagge wieder in Verkehr gebracht werden, sodass der Gewinn in die Kasse der Schwindler fließt.

Perfide Geschäftsidee

In der Regel ist jedoch das, was Kriminelle zusammenpanschen, von schlechter pharmazeutischer Qualität. Denn den Fälschern kommt es nicht darauf an, ein qualitativ hochwertiges Produkt herzustellen. Ihre Begabung liegt in der perfekten Täuschung. Für die Opfer dieser perfiden Geschäftsidee bedeutet dies, dass sie bestensfalls eine Pille schlucken, die für sie gar keine Konsequenzen oder Wirkung hat, schlimmstenfalls geraten sie jedoch an eine Mixtur mit unter Umständen tödlichen Folgen. Leider schon ein Klassiker in Mitteleuropa sind Fälschungen von Potenzmitteln, die in einer drei- bis sechsfachen höheren Dosierung im Umlauf kommen und bei Konsumenten sogar zum Tod führen können, erläutert der pharmazeutische Chemiker und Experte für Arzneimittelfälschungen von der Universität Bonn, Prof. Dr. Harald Schweim.

Deutscher Markt gilt als sicher

Auf der sicheren Seite sind Verbraucher in Deutschland, wenn sie ihre Arzneimittel über den legalen Vertriebsweg beziehen. Denn dieser Markt gilt als einer der sichersten der Welt. Im Produktionsprozess und quasi an jedem Punkt der Vertriebskette werden nicht nur von den zuständigen Aufsichtsbehörden in den einzelnen Ländern, sondern auch von den beteiligten Unternehmen selbst regelmäßige Qualitätskontrollen durchgeführt. So ist im Grunde genommen auch Anfang März der Deal mit dem gefälschten Magenmittel Omeprazol aufgeflogen. Bei betriebsinternen Prüfungen stellte einer der Hersteller fest, dass durch Apotheker mehr Packungen abgerechnet als eigentlich produziert wurden. Darüber hinaus benötigt jedes Unternehmen in der Pharmabranche eine entsprechende Genehmigung oder Betriebserlaubnis, die ebenfalls an strenge Qualitätskriterien und Zulassungsbedingungen geknüpft ist. Außerdem dürfen nur Arzneimittel in den Handel gelangen, die in Deutschland zugelassen sind und damit, in der Regel vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft werden.

Vorsicht bei Handel übers Internet

Seit 2004 ist auch der Versandhandel über Internetappotheken erlaubt, welche ebenso strengen Zulassungs- und Kontrollmechanismen unterliegen. Doch wie können Verbraucher nun die seriösen von den fragwürdigen, dubiosen Internetanbietern unterscheiden? Wer auf die Zustellung seiner Medikamente per Post verzichten will – wie zum Beispiel chronisch Kranke, die in regelmäßigen Abständen stets die gleichen Präparate benötigen und sich oftmals den beschwerlichen Weg zur Apotheke vor Ort sparen möchten – , der sollte sich schon vor der Bestellung ein genaues Bild von seinen künftigen Geschäftspartnern machen. Ein Blich ins Impressum lohnt sich dabei immer: Legale und vertrauenswürdige Versansapotheken sind nämlich verpflichtet, dort Angaben zur fachlichen Qualifikation des Besitzers, zu Adresse und Zulassung zu machen.

Online-Check per Mausklick

Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hat das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln darüber hinaus ein Versandapothekenregister in Verbindung mit einem Sicherheitslogo erstellt. Damit können Verbraucher online checken, ob ihre Versandapotheke eine behördliche Erlaubnis besitzt (www.dimdi.de). Denn im DIMDI-Register sind alle in Deutschland zugelassenen – derzeit rund 3.000 – Internetapotheken eingetragen. Die Daten werden regelmäßig aktualiosiert und stammen von den zuständigen Aufsichtsbehörden in den einzelnen Bundesländern. Nur diese vertrauenswürdigen Apotheken dürfen auf ihren Internetseiten das vom DIMDI entwickelte Sicherheitslogo zeigen. Über drei weitere Schritte kann man dann ganz einfach das Risiko minimieren, auf Webseiten zu gelangen, hinter denen sich unseriöse Anbieter verbergen. Denn auch hier ist man vor Missbrauch nicht gefeit: Kriminelle Hacker könnten zum Beispiel das Logo fälschen und arglose Kunden geschickt – ohne dass sie etwas bemerken – in dunkle Kanäle lenken.

Jedes Medikament ein Unikat

Um schließlich den legalen Vertriebsweg noch sicherer zu machen, haben sich Pharmaunternehmer, Großhändler und Apotheken in der Initiative securPharm zusammengeschlossen. Grundlage ist die 2011 verabschiedete EU-Fälschungsrichtlinie, nach der bis 2017 jede Arzneimittelpackung in Europa Sicherheitsmerkmale tragen muss, mit denen auf Echtheit geprüft werden kann. Zurzeit läuft ein Pilotprojekt, bei dem direkt bei der Herstellung ein sogenannter Data-Matrix-Code aufgedruckt wird und so jede einzelne Schachtel zu einem fälschungssicheren Unikat macht. Damit kann nun der Weg vom Hersteller über Großhandel bis hin zur Ladentheke in der Apotheke zurückverfolgt werden, unterstreicht der Sprecher des securPharm-Vporstandes, Dr. Reinhard Hoferichter. Seinen ersten Praxistest hat das neue System Ende Mai – fünf Monate nach seiner Einführung – bestanden. Bis dahin beteiligten sich mehr als 280 Aüpotheken und 24 Pharmafirmen. Insgesamt wurden über 3,5 Millionen Arzneimittelpackungen gekennzeichnet und Medikamente über 30.000 mal erfolgreich in der Apotheke per Scan verifiziert. Denn nur wenn die per Zufall zugewiesene Seriennummer, die im Data-Matrix-Code versteckt ist, bei der Abfrage in der zentralen Hersteller-Datenbank bestätigt werden kann, wird das Arzneimittel an Kunden weitergegeben. Schritt für Schritt wollen wir jetzt securPharm weiter ausbauen. Denn über eines sollten wir uns im Klaren sein, ergänzte Hoferichter, Fälscher, die heute schon Afrika, Asien mit ihren Plagiatewn nahezu überschwemmen, werden auch versuchen, Europa als Markt zu erobern: Davor müssen wir uns wappnen.

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Kategorie(n): Allgemein

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