Abkassiert

Mehr als die Hälfte neuer Medikamente ohne Zusatznutzen

Sind Neuzulassungen effektiver als deren Vorläufer? Anhand der von den Herstellern eingereichten Dossiers unterzieht das IQWiG seit 2011 gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) neue Medikamente dieser Überprüfung. Die Bilanz ist fatal: Von 48 getesteten Wirkstoffen waren 26 keineswegs besser als bisherige Standardtherapien; darunter sogar 3 Präparate, bei denen die gesundheitlichen Nachteile für Patienten offenkundig stärker ausfielen als ein etwaiger Nutzen. Im Fokus standen Pharmaka aus den Bereichen Onkologie, Diabetes, Epilepsie, MS und andere schwere Krankheiten. Lediglich für 3 Medikamente konnte ein „erheblicher Zusatznutzen“ bestätigt werden. Mit der frühen Nutzenbewertung sei es gelungen, zumindest unter den Neuzulassungen Scheininnovationen herauszufiltern, kommentiert IQWiG-Chef Jürgen Windeler die Arbeit seines Instituts. Demnach habe sich das AMNOG bewährt, auch wenn die erhofften Milliardeneinsparungen bislang noch nicht eingetreten sind. Für 2012 und 2013 gaben die Krankenkassen nur ein Einsparvolumen von 120 Millionen Euro an. Dagegen schätzt der Direktor des Instituts für Pharmakologie am Klinikum Bremen und Vorstandsmitglied der Arzneimittelkommission, Prof. Bernd Mühlbauer, dass von den rund 40 Milliarden Euro, die wir hierzulande für Arzneimittel im Jahr zahlen, allein 8 Milliarden einsparen könnten, ohne an therapeutischer Qualität zu verlieren, indem überflüssige bis gefährliche Medikamente endlich vom Markt gezogen würden. Das Brisante: Auf dieser Liste befinden sich sogar etliche frei verkäufliche Mittel, etwa gegen Erkältung, wie sie gerade in dieser Jahreszeit wieder konsumiert werden.

Kommentar von Rath international:

Indem sie die Heuchelei im Bereich angeblich wirksamerer Medikamente bloß legen, leisten die Prüfverfahren des IQWiG einen wichtigen Beitrag, den auf Seiten der Pharmaindustrie zugrunde liegenden Vorrang des Profits vor der Gesundheit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Im Hinblick auf die tatsächlichen Ausmaße des Investmentgeschäfts mit der Krankheit bleibt das Instrument der Nutzenbewertung indes zwangsläufig an der Oberfläche, solange der Vergleich mit wissenschaftlich begründeten Naturheilverfahren unterbleibt. Ohnehin stößt das IQWiG schon jetzt erkennbar an seine Grenzen, wenn brauchbare vergleichende Studien fehlen, einfach weil sie vom Pharmahersteller nie angefertigt wurden oder aber weil die Daten bewusst zurückgehalten werden.

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Kategorie(n): Allgemein

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