Evergreening

Pharma-Betrug mit Neu-Zulassungen

Patentgeschützte Medikamente lassen die Kassen der Hersteller klingeln. Doch während die Arzneimittelausgaben gerade aufgrund neuer Präparate immer schneller wachsen, sind wirkliche Innovationen Fehlanzeige. Der von der Techniker Krankenkasse in Auftrag gegebene „Innovationsreport 2013“ untersuchte, ob die von der Pharmaindustrie verlangten Preise durch einen gesundheitlichen Nutzen bei den Patienten gerechtfertigt wären. Das Ende Mai vorgestellte Ergebnis ist vernichtend: Nur eines der 23 Medikamente, die zwischen 2010 bis Anfang 2011 neu auf den Markt gekommenen sind, habe bei den Patienten wirklich in allen Dimensionen einen Zusatznutzen gezeigt, fasst TK-Chef Jens Baas das Ergebnis zusammen. Acht Medikamente seien als fraglich zu bewerten. der ganze Rest hatte keinen relevanten Zusatznutzen. Fazit des Studienleiters Gerd Glaeske: „Pharmakonzerne bringen ständig neue Produkte auf den Markt, die nichts nützen.“ Baas zufolge beläuft sich das Einsparvolumen bei diesen Präparaten auf 68 Mio. €. Die Gesetzlichen Krankenkassen geben hier jährlich 165 Mio. € aus. Nicht nur seitens der Krankenkassen, sondern auch von Krebsmedizinern war zuletzt der Vorwurf lauter geworden, die Pharmaindustrie verlange überhöhte Preise vor allem für Krebsmittel, die die Krankheit nicht heilen, sondern bestenfalls einige Wochen oder Monate aufhalten. Dieser Kritik trat Hagen Pfundner, oberster Pharma-Lobbyist beim vfa und Vorstandsmitglied von Roche, vehement entgegen. Seiner Ansicht nach relativierte der gegenwärtige Behandlungserfolg durchaus die Kosten von mehreren zehntausend Euro für die Therapie. „Wir stehen heute am Anfang einer Situation, wo sich bei manchen Krebserkrankungen Erfolge einstellen. Die frage, was ein Monat Leben kosten darf, hängt also mit der Frage zusammen, ob wir Innovationen wollen und was die einer Gesellschaft wert sind“, verteidigte Pfundner die hohen Kosten für neue Krebsmedikamente und forderte stattdessen von der Politik eine Überarbeitung des AMNOG, da sich mehr und mehr zeige, dass das Gesetz für neuartige Medikamente „fehlerhaft konstruiert“ sei.

Kommentar von Rath international:

Es zählt zu den typischen Erscheinungen des Investmentgeschäfts mit der Krankheit, dass Pharmakonzerne über das „Evergreening“ versuchen, ihre Umsätze vor dem Nachdrängen  preiswerterer Generika zu schützen. Der Begriff bezeichnet das künstliche Verlängern der Patente durch das Einbringen geringfügiger Änderungen an den Wirkstoffen oder in deren Darreichungsform. Die Tatsache, dass das einzige als positiv bewertete Medikament ausgerechnet eines ist, das zur Verhinderung von Herzinfarkt und Schlaganfällen eingesetzt wird, lässt Kenner der Zellular Medizin vollends abwinken. Dank wirksamerer, natürlicher Alternativen vermag unterm Strich also keines der neuen Arzneimittel den Praxistest zu bestehen. Geradezu entlarvend sind die Äußerungen aus dem Hause Roche, dessen Kerngeschäft die Onkologie ist. Etwa zwei Drittel seines Pharmaprofits erzielt der Schweizer Konzern – im Wesentlichen durch den Verkauf von nur vier Krebs-Chemos. Für entsprechende Unruhe sorgt da der nicht mehr aufzuhaltende Umbruch in der Krebstherapie.

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Kategorie(n): Allgemein

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