Mit dem Rücken an der Wand

Neue Strategien in der Pharmabranche

Die Pharmaindustrie steht vor massiven Problemen. Grundsätzlich droht seit der Offenlegung des „Geschäfts mit der Krankheit“ der Verlust dieser Einnahmebasis. Zusehens weniger gelingt es ihr, das jahrzehntelang aufrechterhaltene, milliardenschwewre Betrugsmodell gegen die Erkenntnis von immer mehr Menschen zu verteidigen. Gleichzeitig laufen bei vielen Herstellern eine Reihe wichtiger Patente aaus (während der kommenden sechs Jahre im Umfang von rund 270 Mrd. US Dollar). Bedeutender jedoch als der dadurch hervorgerufene Umsatzverlust wiegt der mangelnde Nachschub an überlebenswichtigen Blockbustern. Die sogenannte Entwicklungs-Pipeline steht in weiten Teilen der Branche leer. Aufgrund fehlender Wirksamkeiten oder infolge drastischer Nebenwirkungen scheiterten etliche Zulassungsverfahren. Der weitaus größere Teil der „Innovationen“ schaffte es nicht einmal bis dahin. „Im Bereich der Onkologie und der neuro-degenerativen Erkrankungen ist es schwieriger geworden, neue Mittel zu finden, die bei allen Patienten gleich gut wirken“. – Die Einschätzung des Merck-Serono-Forschungschefs liest sich wie das Eingeständnis jahrzehntelangen Scheiterns, für die Opfer der „Chemotherapie“ wie beißender Hohn, angesichts längst bekannter wissenschaftlich begründeter Alternativen.

Die in Bedrängnis geratenen Konzerne versuchen sich abzeichnenden Krise mit Rationalisierungsmaßnahmen sowie vermehrt mit Zukäufen (vor allem aus dem Bereich der Gentechnologie) und gegenseitigen Übernahmen zu begegnen – einem Prozess auf Raten also. Zudem verstärkt die mächtige Lobby ihren Druck auf die Politik. Als offenes Geheimnis gilt, dass hinter dem nicht ganz überzeugend „freiwilligen“ Abgang Cornelia Yzers, der langjährigen Hauptgeschäftsführerin der VfA (Verband forschender Arzneimittelhersteller), der Unmut der Pharmabranche steckt. Auch der Kostendruck in den Gesundheitssystemen zwing „Big Pharma“ zum Überdenken alter Geschäftsmodelle.

Die aktuelle „Pharma 2020“ – Studie („Supplying the future – Which path will you take?“ ) des Dienstleistungsunternehmens PricewaterhouseCoopers identifiziert im Kern zwei Strategien: die Spezialisierung sowie die Konzentration auf Low-Cost-Massenmarkt. Als „Innovatoren“ sollten Arzneimittelhersteller künftig viel enger an den Patienten heranrücken, um „Bedürfnisse“ rechtzeitig zu erkennen un d neue Erkenntnisse ohne Zeitverzögerung umsetzen zu können! Tatsächlich verbergen sich hinter der Spezialisierung auf seltene Erkrankungen („Orphan Drugs“ ) deutlich geringere Hürden auf dem Weg zur Zulassung. Umfangreiche Studien könnten so reduziert, andere „Unannehmlichkeiten“ ganz übersprungen werden.

Das neue Arzneimittelgesetz aus dem Haus Rösler mit seinen erleichterten Zulassungschanchen kommt der Pharma-Industrie hier weit entgegen! Im Nischengeschäft bestimmter Krankheiten werden bereits offen Katellabsprachen ins Auge gefasst, um die Konkurrenz verschiedener Produkte zu vermeiden. Auch werden die Rufe lauter nach besserer Vernetzung mit dem Arzt und nach intensiverer Nutzung von Patientendaten durch die forschenden Hersteller. Auf eine verstärkte Einbindung staatlicher und privater Krankenkassen zielte bereits die Version von 2007 ab („Pharma 2020. The Vision – Which path will you take?“ ): Ob staatlich oder privat, beide kämen doch als direkte Geldgeber für die Erforschung neuer Medikamente in Frage, damit „langfristig die Kosten des Gesundheitssystems gesenkt“ werden könnten. Klingen so neue Ansätze? Herausragend ist die Forderung nach „verbesserter Überwachung und Kontrolle der Einnahme von Medikamenten“. Dies „würde nicht nur den Umsatz der Pharmahersteller steigern, sondern auch die Patientensicherheit erhöhen und zu einem niedrigeren Krankenstand beitragen“. Unter entsprechender Anpassung an die Rahmenbedingungen werde sich der Umsatz der Pharmaindustrie bis 2020 auf 1,3 Billionen US Dollar verdoppeln. Wenn es darum geht, der infolge von Volkskrankheiten explodierenden Gesundheitskosten Herr zu werden, ist sogar von Prävention die Rede: Empfohlen wurde die Erforschung und Anwendung neuer Impfstoffe!

Kommentar von Rath international:

Die prognostizierten „großen Veränderungen“ des bisherigen Geschäftsmodells erweisen sich als der typische alte Wein in neuen Schläuchen. Die fadenscheinigen Täuschungsmanöver zeigen die Ausweglosigkeit des Pharma-Kartells. Eine wirkliche Neuorientierung, hin zu einem tatsächlichen Gesundheitswesen, gelingt nur durch den nötigen Druck der Menschen selbst.

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Kategorie(n): Allgemein

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