Contergan

Floskeln statt Hilfe

Fünf Jahrzehntenach dem Skandal um das Schlaf- und Beruhigungsmittel „Contergan“ macht der Hersteller Grünenthal den Versuch einer Entschuldigung. Fortan soll am Firmensitz in Stolberg bei Aachen mit einem Denkmal an die Geschädigten des Wirkstoffs Thalidomid erinnert werden. Der Schritt rief weltweit die Kritik von Opferverbänden hervor. Das Unternehmen kleide sich in leere Worthülsen und bemühe sich ernsthaft um die Belange der „Contergan“-Betroffenen. Tatsächlich entzog sich Grünenthal im „Contergan“-Prozess von 1979 einem juristisch bindenden Schuldeingeständnis durch einen Vergleich und die Gründung einer Stiftung. Bis in die heutige Zeit geht das Unternehmen hartnäckig gegen die vollständige Aufdeckung der Zusammenhänge um die Entwicklung und Einführung von „Contergan“ vor. Obwohl das in Westdeutschland 1957 auf dem Markt gebrachte Medikament bereits erkennbar dafür verantwortlich war, Missbildungen bei Neugeborenen hervorgerufen, wurde es erst 1961 auf massiven Druck zurückgenommen. In seiner jetzigen Ansprache zur Denkmalseinweihung bat der Konzernchef Harald Stock um Entschuldigung, dass seine Firma „fast 50 Jahre lang nicht den Weg von Mensch zu Mensch“ zu den Geschädigten gefunden habe. Er erbitte, „unsere lange Sprachlosigkeit als Zeichen der stummen Erschütterung zu sehen, die ihr Schicksal bei uns bewirkt hat“.

Kommentar von Rath international:

Das diese Worte nicht nur für die Betroffenen geradezu unerträglich wirken müssen, liegt auf der Hand. Nachdem den Geschädigten unter fortwährendem Hinweis den Leistungsrahmen der Stiftung eine angemessene Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags vorenthalten wurde, nun noch dieser Hohn! Anstatt die „Entschuldigung“ durch Taten zu bekräftigen und endlich die umfassende Aufklärung zu ermöglichen, ist Grünenthal dreist genug, das Pharma-Verbrechen nach 50 Jahren auch noch zur Aufpolierung seines öffentlichen Erscheinungsbildes zu mißbrauchen. Zur Wahrheit gehört auch, dass das Unternehmen bis heute versucht, den Fall des Wirkstoffs Thalidomid als ein „Zufall“ oder „Ausrutscher“ darzustellen. Dies gerade ist es nicht; wohl aber eines der markanteren Beispiele für das hemmungslose Profitinteresse des Pharma-Investmentgeschäfts. zudem ist unübersehbar, dass die medienwirksame Selbstinszenierung just in eine Zeit fällt, da die Ausweitung der Anwendung von Thalidomid schon wieder vorangetrieben wird.

Über admin

http://www.gesundheit-machbar.de/wp-admin/edit-comments.php?p=78

Kategorie(n): Allgemein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.