Auswüchse des Gesundheitssumpfes

Organisierter Rezeptbetrug

Mit schweren Vorwürfen konfrontierte der AOK-Bundesverband mehrere Tausend Apotheker in ganz Deutschland: Sie sollen systematisch bei den jeweiligen Ortskrankenkassen Medikamente falsch abgerechnet haben. In Zehntausenden Fällen hätten die Patienten statt des eigentlichen Rezeptes ein anderes Präparat mit – mutmaßlich – gleichem Wirkstoff erhalten, ohne dass dies allerdings vermerkt wurde. Aufgeflogen war der Schwindel, weil allein im Juni 2011 in 30000 Fällen Medikamente abgerechnet wurden, die zu dieser Zeit gar nicht auf dem Markt waren. Konkret ging es um den Blutdrucksenker Metoprolosuccinat, mit dessen Hersteller BETA-PHARM die AOK-Rabattverträge abgeschlossen hatte. Hingegen war bekannt, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit Lieferschwierigkeiten haben würde und Apotheken somit gezwungen wären, ohnehin andere Mittel auszugeben. Ein solcher Ausrutscher – zumal offensichtlich kein Einzelfall – bietet dem Deutschen Apothekerverband (DAV) die geradezu perfekte Angriffsfläche für seine Kritik am Eskalationskurs der Krankenkasse. Es sei „grotesk“, die Apotheken verantwortlich zu machen, wenn die AOK mit Pharmaherstellern, Verträge auf Großhandelsrabatt abschließe, die nicht eine einzige Packung liefern könnten. Damit verunsichere sie „wider besseren Wissens die Öffentlichkeit“ und versuche „eigene Fehler zu kaschieren“. Die Krankenkasse hält dagegen, ihr gehe es vor allem um Fragen der Arzneimittelsicherheit, weniger um den Rezeptbetrug. Und der Dritte im Bunde – die Pharmaindustrie? Aus deren Bundesverband BPI tönte sogleich die Befürchtung, dass bei einer solchen, falschen, Abrechnungspraxis die Hersteller womöglich unnötig mit den gesetzlich verordneten Zwangsrabatten belastet würden.

Kommentar von Rath international:

Es wundert nicht, dass die seit ihrer Einführung im Jahr 2003 unbequeme Rabattregelung einmal mehr zum Gegenstand der Kritik erkoren wird. Dennoch sind und bleiben diese kassenindividuellen Preisnachlassvereinbarungen ein schillerndes Marketing-Instrument zur Symptombehandlung der rasanten Kostensteigerung bei den Arzneimitteln. Dabei liegt der Ausgangspunkt für eine wirkliche Kostenreduzierung auf der Hand: die ursachenorientierte Eindämmung der Krankheit!

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Kategorie(n): Allgemein

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