Glutamat kommt aus der Natur,

nicht aus dem Chemielabor!

Inden 1950er und 1960er Jahren setzte man MSG selbst Kleinkinder- und Säuglingsnahrung zu. Dies schien durchaus vernünftig zu sein, da Muttermilch recht viel Glutamat enthält (22mg in 100 ml), wesentlich mehr als Kuhmilch (2 mg in 100 ml).

Die Allgemeinheit erfuhr vom Chinarestaurant-Syndrom erstmals 1968, als ein Brief im New England Medicine Journal veröffentlicht wurde. Der Autor, Dr. Robert Ho Man Kwok, berichtete von einer Reihe unerklärbarer Symptome, die er nach jedem Besuch eines Chinarestaurants an sich selber beobachtet hatte. Etwa 20 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit wurde sein Mund taub, und im Nackenbereich begann es zu kribbeln. Sechs Stunden später setzten Kopfschmerzen ein. Nach 24 Stunden verschwanden die Symptome, gleichzeitig versoürte Kwok heftigen Durst.

Wo lag die Ursache? Die Zeitschrift erhielt daraufhin eine Flut von Zuschriften von Leuten, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Andere medizinische Journale wie Lancet und British Medical Journal berichteten über Varianten der Störung: Schmerzen im Brustbereich, Kopfschmerzen verschiedenartiger Ausprägung, Herzklopfen, Schwindel, Muskelkrämpfe, Schwäche der Oberarmmuskeln und Nackenschmerzen. Jegliche Kombination dieser Symptome bezeichnete man als Chinarestaurant- oder Kwok-Syndrom. Die Medien griffen die neuartige Krankheit natürlich umgehend auf; bald begannen die Menschen landauf, landab an der bis dahin unbekannten Störung zu „leiden“.

Teilweise wurde der Ärger von der speziellen wesentlichen Art, fernöstliche Menüs zu verzehren, verursacht. Obwohl chinesische Gerichte recht salzig und scharf sind, war es in den 1960er Jahren in Amerika nicht üblich, während des Essens ausgiebig zu trinken. In den Ursprungsländern dagegen gehört zu einer Mahlzeit viel Flüssigkeit, Wein, Bier und besonders Tee (grüner Tee enthält allerdings auch seinerseits etwas Glutamat). Heutzutage trinkt man auch im Westen im Chinarestaurant ausreichend Mineralwasser oder Bier, und jedes Menü sollte mit reichlich grünem Tee  enden. Durst ist jedoch nicht das einzige Symptom der Chinarestaurant-Krankheit, und Flüssigkeitszufuhr schwächt die Störung zwar ab, verhindert sie aber nicht und bringt auch als Behandlungsmaßnahme keinen Erfolg.

Die Schuld suchte man bei den chinesischen Köchen, und schließlich gelang es auch, des vermeintlich eigentlichen Bösewichts habhaft zu werden. Von dem Gewürz Mononatriumglutamat hatten die meisten Leute noch nie etwas gehört, obgleich die Chinesen und Japaner seit langem vielfältige Formen dieses Gewürzes verwenden. Weder in China noch in Japan war jemals über Probleme im Zusammenhang mit Glutamat berichtet worden. Woran lag das?

1969 spekulierte Herbert Schaumburg vom Albert Einstein Collage of Medicin in der Bronx, der ebenfalls unter diesem Syndrom litt, über dessen Auslöser. Zunächst hielt er es für wenig wahrscheinlich, dass Glutamat oder Sojasoße dahintersteckte, denn seine Familie verwendete beides auch in der häuslichen Küche reichlich. Innerhalb eines Jahres hatte er seine Meinung jedoch geändert und veröffentlichte in einer einflussreichen Zeitschrift Sience einen Artikel unter dem Titel „Mononatriumglutamat, seine Pharmakologie und Rolle bei der Entstehung des Chinarestaurants-Syndroms„. Schaumburg benannte eindeutig MSG als Verursacher der Symptome. Die Medien berichteten über dieses Ergebnis und gaben ihrem Publikum den vereinfachten Ratschlag: Meide MSG, und du wirst nie am Chinarestaurant-Syndrom leiden.

So begann eine Glutamat – Hysterie,

die über 30 Jahre lang andauern sollte.

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Kategorie(n): Allgemein

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