Biligstudien

Medikamententests auf dem Rücken von Patienten

Immer mehr große Pharmafirmen weichen mit ihren klinischen Arzneimittelprüfungen in Staaten aus wie Russland, die Ukraine, Weißrussland, Moldawien, China oder Indien. Zuletzt war die Anzahl klinischer Studien in der EU um ein Viertel gesunken. In den Schwellenländern nutzen die Unternehmen gezielt die Notlage von Probanten aus. Neben der weitaus leichteren Rekrutierung von Studienteilnehmern profitieren sie zudem von den im Vergleich zu EU-Staaten deutlich niedrigeren Schutzstandards sowie von der mitunter prekären Gesundheitsversorgung. Zu den effektiven Kostenvorteilen kommt eine erhebliche Beschleunigung im Zulassungsverfahren. Dass bei diesen Testreihen frisierte Ergebnisse, offenkundig gefälschte Daten und sogar frei erfundene „Phantompatienten“ in Kauf genommen werden, ist keineswegs selten. Nur zu gut wissen die Beteiligten – Ärzte und Patienten -, welche Ergebnisse gewünscht werden, um auch noch künftig mit derartigen Studien bedacht zu werden. Eine unabhängige Kontrolle der Arzneimitteltests seitens der Aufsichtsbehörden oder durch Ethikkommissionen existiert vielfach nur auf dem Papier, und das mittlerweile gut organisierte Netz von eigens geschaffenen Subunternehmen, welche im Auftrag der Pharmakonzerne die Durchführung der Studien vor Ort organisieren, ermöglicht der Korruption ein leichtes Spiel. Leidtragende sind in erster Linie jene Studienteilnehmer, die mit den Nebenwirkungen der neuen Wirkstoffe zurechtkommen müssen, meist ohne überhaupt zuvor ausreichend über ihre Patientenrechte unterrichtet worden zu sein und ohne jede Aussicht auf angemessene Entschädigungszahlungen. Letztlich betreffen die fragwürdig zustande gekommenen Daten alle Patienten weltweit, die auf eine fundierte Studiengrundlage und ein ordentliches Zulassungsverfahren vertrauen.

Kommentar von Rath international:

Der auswuchernde Trend zur Verlagerung von Arzneimitteltests in Schwellenländer ist weniger das Resultat der weltweiten wirtschaftlichen Ungleichheit. Der treibende Mechanismus hinter solchen menschenverachtenden Experimenten basiert auf dem Geschäftsmodell der Pharmaindustrie selbst, welches auf Investment anstatt auf Gesundheit ausgerichtet ist und nur mithilfe von patentfähigen, also neuen synthetischen Substanzen funktionieren kann. Es sagt viel über die Rolle der EU-Kommission aus, wenn diese angesichts der jetzigen Situation laut darüber nachdenkt, die hiesingen Standards zu senken, angeblich um die Pharmafirmen dazu zu motivieren, ihre klinischen Studien wieder verstärkt im Eu-Raum durchzuführen.

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Kategorie(n): Allgemein

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