Inkonsequent

Bestandsschutz verschlingen Milliarden

Ein Einsparpotential in Höhe von jährlich zwei Milliarden Euro für die Gesetzlichen Krankenkassen veranschlagt der aktuelle Bestandsmarktreport der Techniker Krankenkasse für den Fall, dass auch jene patentgeschützten Medikamente einer Nutzenbewertung unterzogen würden, welche vor dem Inkrafttreten des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG), also vor 2011, eine Marktzulassung erhalten haben. Zwar war für die so genannten Bestandsmedikamente ebenfalls eine derartige Überprüfung auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis vorgesehen, wie sie für Neuzulassungen eerfolgt, doch wurde dieses Verfahren im Frühjahr 2014 gestoppt. Begründet wurde diese politische Entscheidung mit der Furcht vor langwierigen Klagen durch die betroffenen Pharmaunternehmen. In dem vorauseilenden Rückzug sehen die Autoren der TK-Studie eine Verfehlung des Ziels einer qualitativen und wirtschaftlichen Arzneimittelversorgung. Stattdessen würden die Versicherten mit Ausgaben für Arzneimittel belastet, deren Zusatznutzen nicht nachgewiesen sei.

Kommentar von Rath international:

Die Studie unterstreicht einmal mehr die finanziellen Belastungen, die allen Versicherten einzig aus Gründen der Profitgier auferlegt werden. Die gefügige Rolle der Politik ist offenkundig. Alle Versprechen, den drohenden Kostenanstieg mit durchgreifenden „Jahrhundertreformen“ abwenden zu wollen, erweisen sich als zynische Luftnummer. Im vergangenen Jahr lagen die Arzneimittelausgaben der Kassen bei mehr als 30 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2014 nahmen diese Kosten bezogen auf den Vorjahreszeitraum um über 8 % zu und gehen somit ganz unmittelbar auf das Einknicken der Bundesregierung vor der Pharmalobby. Deutschland sticht mit seiner laxen Form der Preisregulierung unter anderen Ländern heraus. Während im staatlichen Gesundheitssystem Großbritanniens Medikamente grundsätzlich erst dann verschrieben werden können, wenn ein Zusatznutzen nachgewiesen und daraufhin ein Preis festgelegt wurde, so offerieert das deutsche AMNOG den Herstellern die Möglichkeit im ersten jahr nach Markteinführung mit völlig überzogenen Phantasiepreisen abzukassieren. Jüngstes Beispiel dafür ist das Hepatitis-C-Präparat „Sovaldi“ des US-Produzenten Gilead, welches bereits binnen drei Monaten, auf Platz drei der kostenintensivsten Arzneimittel aufgestiegen ist. In der Herstellung kostet eine Tablette 80 Cent; verkauft wird sie dagegen für 700 Euro, so dass eine Therapie mit 60.000 Euro pro Patient zu Buche schlägt.

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Kategorie(n): Allgemein

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